Kreditinstitute müssen jede Münze auf Echtheit kontrollieren

Von Rebecca Sabrowsky / Michael Schick

25. Februar 2015

Bisher konnten Kinder ihr Sparschwein schlachten, das Kleingeld rollen, zur Bank bringen und wiegen lassen. Das ist seit Jahresbeginn vorbei.

Das Sparschwein schlachten, das Kleingeld in Papier rollen, bei der Bank abgeben, wiegen lassen und auf die Gutschrift warten – was bisher gängige Praxis war, funktioniert seit Jahresbeginn nicht mehr bei allen Banken. "Wir können kein gerolltes Geld mehr annehmen", sagt Reiner Schomacker, Vorstand der Norderstedter Bank. Und: Wer überdurchschnittlich viel Hartgeld abgibt, muss dafür zahlen.

Anlass ist eine Verordnung der Europäischen Union, die seit diesem Jahr greift und von der  Bundesbank umgesetzt wird. Ziel der neuen Regelung ist, Falschgeld zu minimieren. Seit 1.  Januar muss jede Münze, die bei einer Bank landet, auf Echtheit und Umlauffähigkeit  überprüft werden. Falsche Münzen, aber auch beschädigte oder stark verschmutzte  Geldstücke gehören "ausgesondert", wie das im Amtsdeutsch heißt. Das muss jedes  Geldinstitut sicherstellen – ob groß oder klein, ob 10.000 Mitarbeiter oder 100.

Was einfach  klingt, bedeutet enormen Aufwand, personell wie finanziell. "Wir mussten für  alle Filialen Zählmaschinen anschaffen, für die Hauptgeschäftsstelle zusätzlich noch einen  Automaten, der das Geld rollt, und zwar in spezielles, mit einem Code versehenes Papier.  Die Rollen werden verschweißt, und so können wir sie auch wieder abgeben", sagt  Schomacker. 20.000 Euro hat die Norderstedter Bank in die Technik investiert, hinzu kommt  die Schulung von Mitarbeitern, nur "zertifizierte Hartgeldkontrolleure" dürfen im Münzgeschäft eingesetzt werden. Bei der Norderstedter Bank haben 29 Mitarbeiter die 90-minütige Fortbildung durchlaufen, Kosten: gut 2.000 Euro. "Alle zwei Jahre müssen die  Mitarbeiter nachgeschult werden", sagt Tommy Laubstein, Herr der Münzen bei der Bank.  Zudem müssten Boten das Geld von den Filialen zum Rollen in die Hauptgeschäftsstelle  bringen und zur Ausgabe wieder zurücktransportieren.

Außerdem verlangt die Bundesbank, die bisher die Münzen auf Echtheit und Unversehrtheit  geprüft hat, eine umfangreiche Dokumentation. So müssen die Geldinstitute jährlich  Hersteller sowie Hard- und Softwareversion melden und wie viele Münzen sie in welcher  Stückelung kontrolliert haben. "Das kostet Zeit", sagt Laubstein. Allein im noch jungen Jahr  haben er und seine Kollegen 67.400 Münzen im Wert von 77.200 Euro angenommen und die  Maschinen damit gefüttert. Nach wie vor kommen täglich um die 20 Kunden, die Hartgeld  abgeben. "Kinder zahlen dafür nach wie vor nichts, auch für die Oma, die mit ihrem  Sparstrumpf kommt, bleibt unser Münzservice kostenlos", sagt Schomacker. Erst, wenn die  Masse zu groß wird, verlangt die Norderstedter Bank fünf Euro oder ein Prozent der Summe. Von Nicht-Kunden nimmt die Bank Münzen nicht an. Das betrifft beispielsweise alle, die ihre  Geldgeschäfte über eine Online-Bank abwickeln. "Die kommen schon mal zu uns, um ihr  Hartgeld loszuwerden und sind dann verärgert, wenn wir dem Wunsch nicht nachkommen",   sagt der Bank-Vorstand. So mancher Experte befürchtet, dass mit den neuen Auflagen das  Ende der Münzen eingeleitet werden könnte.

"Für uns steht der Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen. Wir hatten im vorigen Jahr  nicht einen einzigen Falschgeld-Fall", sagt Schomacker. Auch bundesweit hält sich das  gefälschte Hartgeld in Grenzen: Im Jahr 2013 hatte die Bundesbank deutschlandweit exakt  52.063 Euro-Münzen mit einem Wert von 92.174 Euro entdeckt. Zum Vergleich: 110 Milliarden Münzen sind in Umlauf.

Für Stefan Witt, Vorstand der auch in Norderstedt vertretenen Volksbank  Elmshorn/Pinneberg, ist die Bargeldprüfverordnung "nur wieder ein weiteres Bürokratie- Monster", das vor allem kleinen Banken das Leben schwer mache. Auch Imke Gernand,  Sprecherin der Sparkasse Südholstein, fragt sich, ob hier noch Aufwand und Nutzen in  Einklang stehen. Auf der anderen Seite sei es eine Selbstverständlichkeit, dass die  Sparkasse die Verordnung umsetzt. Bisher können die Kunden ihre Münzen ohne Gebühr  abgeben. "Wir müssen sehen, wie sich das entwickelt, eventuell nehmen wir ab 250 Euro  eine Gebühr", sagt Imke Gernand.

Bei der Sparkasse Südholstein können die Kunden in großen Filialen die Münzen mit einer  Kleingeldzählmaschine zählen und gutschreiben lassen. In kleineren Filialen funktioniert das  mit sogenannten money safe bags, das sind spezielle Plastiktüten, in denen das gemischte  Münzgeld am Schalter abgegeben wird. Ein externer Dienstleister zählt das Geld, das dann  dem Konto gutgeschrieben wird. Ähnlich verfährt die Deutsche Bank, die Kleingeld ab 50  Münzen in safe bags extern zählen lässt. Bis zu 50 Münzen werden am Schalter  entgegengenommen, gezählt und eingezahlt. Einfach haben es auch Kunden der HypoVereinsbank. Das gemischte Kleingeld wird in safe bags mitgebracht, von einem  externen Dienstleister gezählt und dann gutgeschrieben. Bei allen drei Banken ist dies  kostenfrei.

Teurer ist es bei der Hamburger Sparkasse. Sie berechnet eine Gebühr von 3,50 Euro für  die Einzahlung von ungerolltem Kleingeld, stellt jedoch Beutel zum Verpacken zur Verfügung. Gerolltes Geld wird kostenlos eingezahlt. Die Sparkasse Holstein bedient sich ebenfalls der safe bags. Gezählt wird das Geld von einem Wertdienstleiter mithilfe von geprüften  Maschinen, dann wird es dem Konto gutgeschrieben. Bringen Kunden gerollte Münzen zur  Bank, werden diese nicht wie früher einfach gewogen, sondern sorgfältig auf ihre Echtheit  überprüft, bevor der Betrag ausgezählt und gutgeschrieben werden kann. Der Service ist für  Kunden der Sparkasse kostenlos.

In der Postbank können nur gerollte Münzen zum Einzahlen abgegeben werden, die Bank  Santander hingegen nimmt überhaupt kein Kleingeld an. Bei der Sparda Bank müssen die Kunden ihr Kleingeld vor der Abgabe am Schalter selber zählen und in einem Behälter  mitbringen. Die Summe wird unter Vorbehalt eingezahlt und erst endgültig gutgeschrieben,  nachdem das Hartgeld von der Deutschen Bundesbank gezählt wurde – alles für den Kunden  kostenlos.

Bei der Commerzbank können Privatkunden ihr Münzgeld in "überschaubarer Menge", zum  Beispiel aus einer Spardose, auf ihr Konto einzahlen, entweder an der Kasse oder am automatischen Ein- und Auszahlautomaten, den auch Einzelhändler oder Handwerker nutzen  können, um Hartgeld in überschaubarem Rahmen einzuzahlen. Die Bank empfiehlt jedoch,  größere Kleingeldmengen in einem safe bag einzuzahlen, der versiegelt und zentral  verarbeitet wird. Der Betrag wird sofort dem Konto gutgeschrieben.

Übrigens: In den 41 Filialen der Deutschen Bundesbank kann man sein Kleingeld jederzeit  und in beliebiger Höhe kostenlos einzahlen und zählen lassen.