Deutschlands erstes Kickermobil eingeweiht

Von Michael Schick

27. April 2017

Die Sponsoren geben an den Kickertischen auf dem Rathausplatz den Startschuss für das bundesweit einmalige Projekt. Foto: Michael Schick

Tischfußball trainiert Toleranz und Fairness: Schulen und Jugendhäuser in der Stadt Norderstedt können die Tische kostenlos ausleihen.

Norderstedt.  Raus aus der Kneipe, rein in die Sozialarbeit: Kickertische sind ideale Lernorte, die spielerisch Ziele pädagogischer Arbeitet vermitteln. Fairness, Toleranz und Respekt, Teamfähigkeit, Niederlagen wegstecken. Tischfußball ist viel mehr als Sport – nach diesem Motto hat Norderstedt ein Projekt aus der Taufe gehoben, das bundesweit einmalig ist: das Kickermobil. Der Anhänger mit den Tischen zum Ausleihen wurde jetzt auf dem Rathausplatz eingeweiht.

Kickern braucht keine Worte , Flüchtlinge sind sofort im Spiel

"Neben dem Wettkampf entstehen Freundschaften. Wichtig ist, als fairer und vorbildlicher Sportsmann zu bestehen", schreibt HSV-Legende Uwe Seeler in seinem Grußwort für das erste deutsche Kickermobil. "Schulen, Jugendhäuser und andere soziale Einrichtungen in Norderstedt, die Jugendarbeit betreiben, können das Kickermobil kostenlos ausleihen", sagt Jené Halabi, Initiator und Motor des Projektes. Das neue Spiel- und Spaßangebot ist ein Norderstedter Projekt, für das der Förderverein offene Jugendarbeit verantwortlich zeichnet. Zusammen mit dem Verein hat Kickerfan Halabi auch die Keimzelle des Kickermobils aus der Taufe gehoben: die Norderstedter Kickerturniere, kurz NOKITU. Diese Buchstaben stehen auch auf dem Anhänger, sodass zumindest Eingeweihte sofort wissen, welche Fracht sich im Inneren verbirgt.

Halabi, der sein Geld als Sozialarbeiter in den Grundschulen Falkenberg und Harksheide-Nord verdient, organisiert jedes Jahr drei Kickerturniere in Norderstedt, eins für die Grundschüler, eins für die weiterführenden Schulen und eins für die Kinder- und Jugendeinrichtungen. Erst Anfang März hatten die älteren Schüler ihre Stadtmeister im Kulturwerk ermittelt. 80 Jugendliche kämpften um den Titel, mit viel Schweiß, voller Konzentration und flinken Fingern. Das oberste Gebot, sich nach dem Spiel die Hände zu reichen, wurde widerspruchslos eingehalten. Welchen Wert für die Jugendarbeit die Stadt dem Kickern beimisst, zeigt sich auch daran, dass Schul- und Jugenddezernentin Anette Reinders und die zuständige Amtsleiterin im Rathaus, Sabine Gattermann, die Schirmherrschaft übernommen haben.

Warum gerade Kickern? "Da wir nicht allein, sondern nur in Zweier-Mannschaften spielen lassen, fördert das Wir-Gefühl. Die Schüler gewinnen gemeinsam und verlieren gemeinsam, auch das müssen sie lernen und dabei fair bleiben", sagt Halabi, für den die sozialen Vorzüge gegenüber den sportlichen im Vordergrund stehen. Sprache spiele kaum eine Rolle, daher sei der Stangenkampf um den kleinen Ball auch ideal, um Flüchtlingskinder einzubinden.

"Das ist doch eine tolle Chance, dass sich die Jugendlichen kennenlernen und nach bestimmten Regeln, die alle akzeptieren, fair miteinander umgehen", sagt Wolfgang Banse, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins und Motor der Kriminalprävention in Norderstedt. Solche Wettbewerbe sei Präventionsarbeit im besten Sinne.

"Man gewinnt zusammen und verliert zusammen. Eine Wahrheit, die für das Tischfußballspiel wie für das Leben gilt", sagt Reinders. Und der Deutsche Tischfußballbund sieht die Chance, Nachwuchs zu gewinnen. Und der spiele im Verband eine große Rolle: "Unser Aushängeschild ist die deutsche Tischfußballjugend", schreibt Klaus Gottesleben, Präsident des Deutschen Tischfußballbundes, in seinem Grußwort zum Kickermobil, das der Kickergemeinde schon während der Tischfußball-Weltmeisterschaft vom 12. bis 16. April in Hamburg präsentiert wurde.

Sponsoren haben das 13.000 Euro teure Mobil finanziert