Tabubruch bei der Sparda-Bank

von Kevin Knitterscheidt

04. August 2017

Die Sparda-Bank Berlin schafft als erstes Institut der Gruppe ihr kostenloses Girokonto ab. Das Institut folgt damit einem branchenweiten Trend: In der Niedrigzinsphase greifen viele Geldhäuser zu kreativen Gebühren.

Zentrale der Sparda-Bank Berlin
Mit der Einführung von Gebühren fürs Girokonto trennt sich die Berliner Sparda-Bank von einer jahrzehntealten Geschäftspolitik. (Foto: picture-alliance/ dpa/dpawebpicture-alliance)

Frankfurt. Kaum eine Bankengruppe wird von Verbrauchern so stark mit kostenlosen Girokonten verbunden wie die der Sparda-Banken. Die zwölf als Genossenschaften organisierten Institute sind dafür bekannt, ihren Mitgliedern besonders günstige Konditionen zu gewähren – was den Banken regelmäßig vordere Plätze in Kundenzufriedenheits- und Preis-/Leistungs-Rankings beschert. Doch zumindest in Berlin soll es ab Oktober mit dem Gratis-Konto vorbei sein.

In einer Video-Botschaft kündigt der Vorstand der Sparda-Bank Berlin an, ab dem 1. Oktober Kontoführungsgebühren zu erheben – in Höhe von monatlich, je nach Leistungsumfang, zwischen 1,50 und 3,90 Euro. Vorstandschef Frank Kohler: „Es ist ein Gebot der Rahmenbedingungen und der Zeit, für unsere Arbeit einen Preis zu verlangen.“ Er begründet den Schritt mit der Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die dafür sorge, dass Banken mit den Einlagen ihrer Kunden kein Geld mehr verdienen können.

Derzeit verlangt die EZB jährlich 0,4 Prozent vom Einlagevolumen, wenn Banken ihr Geld vorübergehend dort parken. Das hat auch schon andere Banken dazu bewogen, Gebühren zu erhöhen oder einzuführen – teilweise mit viel Kreativität. Die Stadtsparkasse Soest zum Beispiel verlangt von ihren Online-Banking-Kunden eine Gebühr von zwei Cent pro Mausklick.

Aber auch klassische Kontoführungsgebühren sind branchenweit auf dem Vormarsch. Von 50 namhaften Banken, die die FMH-Finanzberatung in Deutschland beobachtet, haben 17 Institute in den vergangenen zwei Jahren Gebühren für Girokonten eingeführt oder erhöht – darunter die HypoVereinsbank, die Berliner Sparkasse und die Postbank. Kostenfreie Konten bieten demnach vor allem Direktbanken an – und, zumindest bisher, die Sparda-Banken.