Haspa erhebt Strafzinsen für zu viel Geld auf Girokonten

von Volker Mester

21. August 2018

Wer zu viel Geld auf dem Girokonto bei der Haspa hat, muss künftig ein „Verwahrentgelt“ zahlen. Bank plant Gespräche mit Kunden.

Haspa-Chef Harald Vogelsang sagte im vergangenen Jahr, die Sparkasse wolle Strafzinsen für Privatkunden „so lange wie möglich“ vermeiden. Am 1. September werden sie auf hohe Summen eingeführt
Haspa-Chef Harald Vogelsang sagte im vergangenen Jahr, die Sparkasse wolle Strafzinsen für Privatkunden „so lange wie möglich“ vermeiden. Am 1. September werden sie auf hohe Summen eingeführt. Foto: Andreas Laible / HA

Vermögen sinkt

Aber wenn Kunden größere Mengen Bargeld auf Girokonten verwahren, kostet dies die Haspa Tag für Tag sehr viel Geld.“ Denn bereits seit Mitte 2014 müssen Banken und Sparkasse für Geldreserven, die sie als Sicherheit auf ihren Konten bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken, ihrerseits einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das trifft auch die Haspa: „Wir gehen davon aus, dass sich die Belastungen der Niedrigzinsphase in den vergangenen Jahren auf jeweils hohe zweistellige Millionenbeträge belaufen“, so Stefanie von Carlsburg.

Stefanie von Carlsburg, Sprecherin der Haspa

Sie verweist darauf, dass das sogenannte „Verwahrentgelt“, das die Haspa künftig auch von den Privatkunden verlangt, nicht einmal die Kosten deckt, die der Sparkasse durch den Strafzins der EZB entstehen: „So müssen wir darauf beispielsweise auch noch Geld für die Einlagensicherung abführen.“ Hinzu komme, „dass Kunden zunehmend Geld von Konten anderer Banken, die Verwahrentgelte erheben, auf Haspa-Konten umbuchen“, sagt von Carlsburg. „Da dies jedoch die Kosten der Haspa zusätzlich erhöht, werden wir – auch im Interesse der großen Mehrheit unserer Kunden – die Freibeträge für das Verwahrentgelt anpassen.“

Große Herausforderung

Im Rahmen der Bilanzvorlage im Februar hatte der Haspa-Chef Harald Vogelsang an die EZB appelliert, die von ihr erhobenen Negativzinsen „zunächst wieder auf null und dann allmählich wieder in den positiven Bereich“ zu bringen. Denn die Zinspolitik der Notenbank bleibe für die Kunden und die gesamte Finanzwirtschaft auch 2018 eine große Herausforderung. Allerdings gelang es der größten deutschen Sparkasse, ihren Gewinn 2017 bei 80 Millionen Euro konstant zu halten. Auch für 2018 rechne man mit einem stabilen Ergebnis, hieß es.

Für ihre Geschäftskunden hatte die Haspa bereits Ende 2016 einen Negativzins angekündigt. Die Sparkasse hatte aber keinen konkreten Betrag genannt, oberhalb dessen der Strafzins gilt. Dazu war laut Biallo.de von „individuellen Vereinbarungen“ die Rede. Im Hinblick auf private Kunden erklärte die Haspa hingegen noch im Februar 2017, diese sollten „so lange wie möglich“ von den Negativzinsen verschont bleiben.

Beträge in Millionenhöhe

Doch nun räumte die Sprecherin der Sparkasse ein, bereits im vergangenen Jahr habe man „für einen kleinen Kreis sehr vermögender Privatkunden eine Regelung gefunden“. Dabei habe es sich jedoch stets um Beträge in Millionenhöhe gehandelt, die auf den Girokonten lagen. Wie viele Kunden nun voraussichtlich aufgrund der neuen Untergrenzen Negativzinsen zahlen müssen, will die Haspa nicht verraten.

Kontogebühren – für viele Hamburger wird es teuer

Das erste Geldhaus, das auch Privatkunden damit belastete, war im November 2014 die Skatbank in Thüringen. Es folgte eine Reihe weiterer – zumeist kleinerer – Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen. Vor einem Jahr schloss sich ihnen jedoch auch die mitgliederstärkste Genossenschaftsbank Deutschlands an, die Sparda-Bank Berlin. Sie berechnet bereits bei Beträgen ab 100.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto ein „Verwahrentgelt“ von 0,4 Prozent pro Jahr. Betroffen davon sei rund ein Prozent der Kunden. Die Maßnahme wurde mit der Kostenbelastung durch den EZB-Strafzins begründet.

Zinssatz bei 0,2 Prozent

Seit Anfang 2017 müssen Privatkunden bei der Hamburger Volksbank Negativzinsen zahlen, sofern sie dort über mehr als 500.000 Euro auf einem Tagesgeldkonto verfügen. Der Zinssatz liegt hier allerdings nicht bei 0,4 Prozent, sondern bei 0,2 Prozent. Volksbank-Chef Reiner Brüggestrat sprach mit Blick auf den Strafzins von einem „Akt der Selbstverteidigung“. Brüggestrat sagte aber auch, die Maßnahme sei gleichzeitig ein Anreiz für die Kunden, etwas in ihrem eigenen Interesse Sinnvolles zu tun: „Meine Hoffnung ist, dass die Gelder aus dem Produkt Tagesgeldkonto, das seine Berechtigung längst verloren hat, in Anlageformen umgeschichtet werden, die für unsere Kunden auf längere Sicht viel sinnvoller sind.“ Ohnehin seien „deutlich weniger als 100“ Kunden davon betroffen.

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