Fusion: Die Volksbank Raiffeisenbank Itzehoe wächst Richtung Süden

Von Thomas Claaßen

16. März 2018

Volksbank Raiffeisenbank Itzehoe verschmilzt mit kleinerer Norderstedter Bank

Jetzt ist die Zeit dann doch gekommen: Die Volksbank Raiffeisenbank Itzehoe fusioniert mit der Norderstedter Bank.
Jetzt ist die Zeit dann doch gekommen: Die Volksbank Raiffeisenbank Itzehoe fusioniert mit der Norderstedter Bank. Fotos: Claaßen

Itzehoe (tc) – Nun also doch: Stets betonten die Vorstände der Volksbank Raiffeisenbank Itzehoe, Manfred Kowalewski und Stephan Schack, bei den jährlichen Bilanzpressekonferenzen, dass Fusionen bislang kein Thema gewesen seien – nun ist sie da. Die Itzehoer Genossenschaftsbank möchte mit der kleineren Norderstedter Bank verschmelzen, und das rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres. Ende Juni soll in den Vertreterversammlungen beider Häuser darüber abgestimmt werden.

„Es ist besser zu handeln, wenn man will, als dann, wenn man muss“, sagte Stephan Schack am Freitagnachmittag vor der Presse.

„Zum Ende des Tages glauben wir nicht, dass das noch lange gutgeht.“

Sie sollen künftig die Geschicke der Bank lecken (v. l.): Manfred Kowalewski, Stephan Schack, Martin Weber und Reiner Schomacker.
Sie sollen künftig die Geschicke der Bank lecken (v. l.): Manfred Kowalewski, Stephan Schack, Martin Weber und Reiner Schomacker.

Im Laufe der Woche waren bereits die Mitarbeiter über die geplante Fusion informiert worden. Schack betonte, dass es keine Fusion sei, um Mitarbeiter abzubauen, im Gegenteil: „Für die anstehenden Aufgaben werden alle Mitarbeiter gebraucht.“

Immer neue Anforderungen der Regulierungsbehörde, teurere Strukturen, der globale Wettbewerb und das geänderte Kundenverhalten machen den Banken die Arbeit nicht leichter. Zudem drücke die Niedrigzinsphase auf die Ertragslage, so Kowalewski. „Wenn man das alles prüft, müssen wir uns fragen, ob wir langfristig die nötige Schwungmasse haben, um selbstständig zu bleiben“, sagte der Itzehoer Vorstand weiter. „Die regionalen und überregionalen Gewichte ums uns herum verschieben sich, und wir glauben nicht, dass das zum Ende des Tages noch lange gutgeht.“ Daher sei die Fusion richtig, um die Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit für Privat-und Geschäftskunden zu stärken.

Die Itzehoer und die Norderstedter Bank arbeiten schon seit mehreren Jahren zusammen. Doch erst zum Ende letzten Jahres sei die Idee entstanden, zu einer gemeinsamen Bank zu fusionieren, wie Manfred Kowalewski sagte. Sein Vorstandskollege aus Norderstedt, Reiner Schomacker, stellte es bildlich dar: „Wir müssen uns nicht erst kennenlernen und verlieben, wir lieben uns schon, jetzt sind wir verlobt und es ist Zeit für die Hochzeit.“

Die Fusion soll rückwirkend zum 1. Januar vollzogen werden, Ende Juni stimmen die Vertreterversammlungen darüber ab.
Die Fusion soll rückwirkend zum 1. Januar vollzogen werden, Ende Juni stimmen die Vertreterversammlungen darüber ab.

Am Namen beider Banken werde sich nichts ändern, um die Regionalität zu bewahren. Der Vorstand setze sich aus Stephan Schack und Manfred Kowalewski aus Itzehoe sowie Reiner Schomacker und Martin Weber aus Norderstedt zusammen.

Mit Itzehoe, Norderstedt und Hohenwestedt sollen drei Regionalmärkte entstehen, die jeweils von eigenen Direktionen „mit hohen Entscheidungskompetenzen“ geführt werden sollen. Kein Kunde werde durch die Fusion längere Wege inkauf nehmen müssen. Ohnehin kämen immer weniger Kunden in die Filialen, vieles werde digital erledigt, zudem besuchten die Mitarbeiter die Kunden zuhause.

Beide Häuser hätten sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt und gehen „aus kerngesunden Positionen“ in die Fusion, durch die künftig ein noch größerer Kundenkreis angesprochen werden solle. Die größere Personalanzahl solle es ermöglichen, leichter Mitarbeiter aus dem laufenden Geschäft herauszuziehen, um sie zu schulen.

Sofern die Vertreterversammlungen zustimmen, entsteht eine Bank mit 20.000 Mitgliedern (aus Itzehoe kommen rund 15.000), 53.000 Kunden (40.000 aus Itzehoe), über 240 Mitarbeiter (rund 180 aus Itzehoe) und einer Bilanzsumme von etwa 1,3 Milliarden Euro (rund 900 Millionen Euro aus Itzehoe).

Weitere Fusionen nicht ausgeschlossen

Weitere Fusionen schließt Stephan Schack übrigens nicht aus, auf der Achse Itzehoe – Norderstedt lägen noch einige kleinere Genossenschaftsbanken. „Wir sind überall mal vorbeigegangen und haben ‚hallo‘ gesagt.“